
Seit 2010 beschäftigt sich das gecko art-Duo mit der Thematik ‚Zeit‘ und hat dabei mehrmals die Perspektive gewechselt. Unter dem Titel Zeig mir, was Zeit ist präsentiert gecko art einen Projektzyklus in progress, aus dem seit 2016 neue Projektmodule hervorgehen, die unterschiedliche Ansätze verfolgen. Es sind performative, partizipative, literarische, audiokünstlerische und bildnerische Aktionen und Werke. Aus diesen „ZEITSTÜCKEN“ wird sukzessive ein auditiv-bildnerisches Gesamtkunstwerk resultieren.
Aus den bisherigen Projekterfahrungen zeigte sich vor allem eines: Die Thematik Zeit verbindet und spaltet gleichermaßen, auch wenn man – wie wäre es anders möglich – offenbar in gemeinsamen Zeiten lebt. Die Diskussion zur Thematik Zeit ist (in der Geschichte des Alltags wie in der Ideengeschichte schlechthin) wahrscheinlich so alt ist wie die Menschheit selbst. Doch auch konträre Aussagen zum Phänomen der Zeit können menschliche Sprache nicht nur vertiefen oder verfeinern, sondern beleben den gesellschaftlichen Diskurs, das Zusammenleben und das demokratische Miteinander. Sprechen über Zeit ermöglicht – wie das künstlerische Werk – Erkenntnisse über sich selbst, über das eigene Leben, über das Leben der KollegInnen, der Mitmenschen und über die Gemeinschaft.
ENGEL 3.0 – dreh dich um und schrei
ZEITSTÜCK 1 (2016/17): Im 60-Minuten-Live-Hörspiel „ENGEL 3.0 – dreh dich um und schrei“ entwickelt sich ein Beinahe-Dialog mit ENGEL 3.0, der sich aufgrund eines html-Defekts aus scih selbst heraus kreiiert und in einer lauten Arbeitswelt „Stille“ zu vermitteln versucht. Die Audio-Inszenierung erweitert den Live-Hörspielgedanken zu 8 modularen Audiostücken (mixed*audio*mode*on stage), die von die beiden AkteurInnen Blumenau und Kreuz teils szenisch, teils agierend und lesend dargeboten werden – nebst Kurzdarbietungen am ‚Rillophon‘ und Interview-Einspielungen.
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ZEITOBJEKTE – Bilder, Skulpturen, Hör-Installationen
ZEITSTÜCK 2 (ab 2016): Dies bezeichnet die bildnerisch-haptische Komponente von ZEIG MIR, WAS ZEIT IST. Hör, Text- und Zeitbeiträge aus Projekten der Künstlergruppe gecko art werden bei Präsentationen oftmals von bildnerischen Werken (Collagen, Skulpturen, Bild-Ton-Stationen, Audiovisionen) begleitet, die als Hör– Lese- und Schaueinladung fungieren. Oft werden Hörobjekte (wie etwa Fragezeichen-Skulpturen oder Werke aus der Serie WORK OF TIME) platziert, an welchen Interessierte aufgenommene Sequenzen aus Projekten erlauschen können.
HIER SPRICHT ZEIT – Ein Live-Hörspiel
ZEITSTÜCK 3 (2019): Mit Sprechrollen, Live-Stimmen und Echtzeitklängen präsentieren Evelyn Blumenau und Walter Kreuz ein Bühnenportrait zum Thema ZEIT. Ausgehend von den ersten Versuchen der Zeitmessung in der Jungsteinzeit verfolgt das Künstlerduo Spuren des Umgangs mit Zeit und wirft die Frage nach dem Wesen der Zeit auf. Von Wissenschaftspersönlichkeiten wird ebenso die Rede sein wie von der Zeitenwende 1989, dem Ende des geteilten Europas.
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SLOW MOTION ZONES – Zeitlupe ist interaktiv
ZEITSTÜCK 4 (2019/20): In dieser Straßenkunstaktion haben Personen die Möglichkeit, gemeinsam mit dem gecko art-Team Zeit zu dehnen. Neue Arten der Fortbewegung, des Gehens, Schreitens, Schlenderns, Trippelns, Schlängelns, Tänzelns sind herzlich willkommen. Beteiligte steuern Bewegung und Erfahrung durch den Stadtraum – und erschaffen ganz nebenbei theatralische Zeit-Welten.
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ZEIT.WANDER.WERK – Stimmzyklus und Soundtrack
ZEITSTÜCK 5 (2019): Mit ihrem Vokalstück Stimm-Dualitäten nimmt die Sängerin und Komponistin Evelyn Blumenau in ihrem Werk zwei Zeit-Positionen ein und ‚übersingt‘ sich quasi selbst. Zeit wird dadurch auf audiokünstlerische Weise relativ, wird zu ihrem eigenen Echo und mutiert zu einer auditiven Zeitschleife. Ihre andere Komposition zeit.be.wegt versteht sie als Flug durch Spielarten der Zeit oder als Wanderung über eine Klanglandschaft mit Höhen, Tiefen, Schnittflächen, Verdichtung und Entspannung.
SEKUNDENBRUCH AUF STRASSE 4 – Eine poetische Spekulation
ZEITSTÜCK 6 (AB 2018):In diesem Buch von Walter Kreuz (edition splitter wien, 2018) geht es um Wahrnehmung von Lebensräumen unter zeitlich verlangsamten Bedingungen. Zeit steht fast still, die Wahrnehmung des Umfelds – Synonym dafür ist „Straße 4“ – gestaltet sich zu einer einzigartigen Erfahrung. Man meint, noch in der allerersten Lebenssekunde zu verweilen. Rückerinnerung auf einen Zustand der Zeitlosigkeit? 2019 entstand dazu die szenische Lese-Performance SEKUNDENBRUCH im Rahmen des Projekts „ZEIT LASSEN“ der Künstlerin Gertrude Moser-Wagner.
(k)EINE ZEIT FÜRS EHRENAMT – Workshop und Live-Hörspiel
ZEITSTÜCK 7 (2018-2020):Die Gruppe gecko art erarbeitete ein spezielles zweistufiges Audioprogramm zur Wechselbeziehung von ehrenamtlichem Engagement und dafür zur Verfügung stehender Zeit. Erste Stufe des Projekts ist eine Gesprächsrunde mit Audiostation, in welcher sich ehrenamtlich tätige Personen informell austauschen und Statements zur Thematik an Audiogeräten aufnehmen können. Die Projektdurchführung erfolgt in Kooperation mit BhW Niederösterreich.
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SEE-ZEIT – ein Stadtteil-bezogenes Audioprojekt
ZEITSTÜCK 8 (2019): Dieses Projekt hatte das Ziel, Audiostücke zur Seestadt in Wien-Aspern zu gestalten. Im Rahmen von SEE-ZEIT 1 erkundeten Lehrlinge den Stadtteil mit Stimmaufnahmegeräten. In SEE-ZEIT 2 konnten BewohnerInnen der Seestadt Gedanken zu ihrem Wohnort zur Sprache zu bringen. Die entstandenen partizipativen Hör-Elemente wurde in eine Audio-Performance vor dem (ehem.) „Flederhaus“ am Ufer des Stadtsees integriert.
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GRAMMATIK DER STILLE – ein begehbares Audiofeature
ZEITSTÜCK 9 (2022/23): In diesem Projekt der Initiative DAS SPRECH wurden bildnerische, auditive, performative und literarische Kunstformen miteinander verbunden. Konkret ging es um die Vertonung eines Bildwerks (4×1,5m), um dessen „Bildklang“ (durch Evelyn Blumenau) und „Raumklang“ im Präsentationsareal (durch Walter Kreuz) im Wiener Theater Spielraum.Ein 82minütiger künstlerischen Hörtexts („Verabredungen mit dem Wesen der Zeit“) stand dabei im Mittelpunkt.
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TRAUMBILDER EINES GRÖNLANDWALS – eine Lese-Performance
ZEITSTÜCK 10 (2024): In ihrer szenischen Performance fügt das gecko art-Duo der Erdgeschichte ein spekulatives Kapitel hinzu: Die träumende Hauptdarstellerin darin heißt KEDUBE und ist eine fiktive Unterart des Grönlandwals, der als einziges Säugetier weit über 200 Jahre alt werden kann. In der Erzählung kann KEDUBE jedoch mehr: Sie fängt im Halbschlaf ein „menschliches schöpferisches Wummern“ aus der Zukunft auf und erzeugt Visionen, in denen Langsamkeit und Genügsamkeit den Ton angeben.
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CODEX KEDUBE – ein handgefertigtes Buch als Unikat & Kunstobjekt
ZEITSTÜCK 11 (2024): Zu obiger Performance (Zeitstück 10) wird der Text auch haptisch in Form eines Buch-Unikats präsentiert. Federschrift mit Tinte und Tusche, rauhes Papier, Bindfaden, Farbe, Holz und Leim waren die wichtigsten Mittel, um den 86seitigen Grönlandwal-Text in ein künstlerisches 30×40 cm-Buchformat zu bringen. Der Gebrauch der Feder entwickelt dabei mitunter eine Eigendynamik und Strich-Choreografie im teils abrupten Wechsel zwischen Schreibart, Wortstreifen, Illustrationen und Umrandung.
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CHRONONIMA – Der längsten Sekunde des Sommers auf der Spur
ZEITSTÜCK 12 (2025): Kern dieser Kooperation mit der Initiative DAS SPRECH war ein tönender WALKING ACT mit kurzen Performance-Stationen. Im Outdoor-Projekts CHRONONIMA wurde erstmals das Format STRASSEN-HÖRSPIEL präsentiert. Jeweils 10-15minütige Audiowerke von Evelyn Blumenau und Walter Kreuz wurden pantomimisch begleitet. Eine tragende Rolle im Projekt spielten eine „Audio-Sänfte“ als mobiles Hörobjekt sowie partizipativ-empirische „Maskenaktionen“, die sich mit langsamen Schritten durch eine Begegnungszone der Wiener Josefstadt bewegte.
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Christian Laimer, Sarah Tasha, Hannes Gröblacher, Georg Oberweger, gecko art