Was uns die Luft des Sommers 2020 zu sagen hat

Unsere Luft steht im Jahr 2020 ganz besonders im Fokus. Dass wir sie brauchen, um auf diesem Planeten überleben zu können, ist evident, aber was wäre, wenn sie – weit darüber hinaus – uns etwas mitteilen möchte? Aus gegebenenem Anlass in Zeiten der Pandemie verfolgt das gecko art-Duo diese fiktive Spur und will die Atmosphäre über unseren Köpfen tönen lassen. Im neuen Audiostück überschreitet die Luft einen Schwellenwert und wird von Sprache durchdrungen.

2020 – DIE LUFT DIESES SOMMERS
Poetische Luftanalyse & Live-Audiostück
von und mit Evelyn Blumenau und Walter Kreuz

Die Luft tönt. Wir sollten hinhorchen. Denn diesmal ist es kein Säuseln, Pfeifen, Heulen oder Zischen, sondern eine Schnoddrigkeit von Halbsätzen und Gedankenfetzen, wie es zu Beginn des Performance-Textes heißt. Dies wirft die Frage auf, ob Töne auch erschnuppert werden können, und somit rückt das Riechorgan Nase in den Mittelpunkt. Man schnüffelt an den Klängen und erkundet die Stadt auf verhaltensauffällige Weise. In Wahrheit erkundet man sich selbst, reflektiert alles Vergangene, bewertet die Gegenwart und prüft Wege in eine mögliche Zukunft.


… Maximal X Minuten für Gänge, Läufe, Flüge auf den Straßen der Stadt.

… X Minuten und ein Tag.
… Ist wahr, ist! Welch Glück.
… Spüre Kraft, ungezähmt. Und rieche die Luft.
… Feuchttrocken die Luft. Aufregend die Luft.

Die Luft dieses Sommers – gesellschaftlich und individuell

Dass sich Luft aus einem Gemisch von gut 77% Stickstoff, 21% Sauerstoff und weiteren Spurenelementen zusammensetzt, ist hinlänglich bekannt. Von der Physik einmal abgesehen, liegen in der Luft dieses Sommers jedoch ganz andere Bestandteile – etwa 39% Krise, 15,5% Verunsicherung, 11% Ideenlosigkeit, je 3% Moralismus, Autoritätsglaube und Wirtschaftshörigkeit, aber auch 3,4% Empfindung einer neu aufkommenden Form von uneitler Nähe unter Menschen. Und dies verlangt geradezu nach einer poetischen Luftanalyse, in welcher die Grenzen zwischen Geruch, Geräusch und Sprache verschwimmen. Das Tönen der Luft verstört, und manch fest gefahrene Gewohnheit konkurriert auf einmal mit dem Wunsch nach Neuem, nach Unbekanntem oder nach der Umkrempelung des gesamten Lebens.

 

Ein Audiostück als eine Folge der Bremsung gewohnter Abläufe – lokal und global

Das 40minütige Audiostück kreist um das Herunterfahren der alltäglichen Prozesse aufgrund der weltweiten Corona-Pandemie. Audioschaffende haben mitunter das Gefühl, als wären damit alle Regler eines globalen Mischpults heruntergefahren worden. Die Erzählung des gecko art-Duos beginnt an einem Tag Mitte April 2020 mit Gedankenfetzen und fragmentarischen Sätzen, welche die durch den „Shutdown“ entstandene Stille unterbrechen. Daraufhin setzen skurrile Wanderungen durch den Stadtraum ein und initiieren „Schritt für Schritt“ einen Perspektivwechsel, der den Blick auf sich selbst und auf die Umgebung grundlegend verändert. Evelyn Blumenau und Walter Kreuz präsentieren ihr Programm mit Live-Leseteilen, lyrischen Performances sowie Soundtrack-Einspielungen. Das Live-Audiostück wird mit eigenem Equipment (INDOOR oder OUTDOOR) aufgeführt.

Bei Interesse an einer Performance im Zeitraum Juli bis September 2020 wird ersucht, mit dem gecko art-Team KONTAKT aufzunehmen. Eine Aufführung ist selbstverständlich nur unter Einhaltung aller notwendigen Sicherheitsbestimmungen möglich.

Die Magazin-Reihe FEDER, LUFT & LINSE der Gruppe gecko art erscheint seit 2009 in Printform oder online in anlassbezogenen Abständen (siehe auch Nr.15, Nr.14, Nr.13, Nr.12, Nr.11, Nr.10 bzw. Nummern davor auf Anfrage).

(Redaktion / 21.06.2020)