Walter Kreuz / Info

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AKTUELL zu Walter Kreuz:

Buchpräsentation SEKUNDENBRUCH AUF STRASSE 4 von WALTER KREUZ

Mit Lesung, Performance und Soundwolke stellte der Autor am 12.11.2018  im Raum D (Q21, KDQ, Electric Avenue, Museumsquartier Wien) sein Buch vor.

KREUZ steht,
KREUZ liegt,
KREUZ hockt
zwischen Stadtton-Quellen.

Seine Begleiter
sind hörbare Stille
und Stillstand
der Zeit.

KREUZ spricht
von Dingen
im städtischen Raum
und von Ekstase der Stille,
die an den
Gehsteigrändern entsteht,
Verkehrsflüsse staut
und Sekunden bricht.

KREUZ spekuliert,
was geschieht,
wenn Leute
(vielleicht zum ersten Mal
im ihrem Leben)
dem Behorchen, Betrachten,
Beriechen, Betasten,
Belecken der Straße,
in der sie wohnen,
freien Lauf lassen.

Zugeständnisse an die Normalität? Die Rollen braver Bürgersleut‘ einnehmen und im gentrifizierten Stadtbild aufgehen wie Karotten im urban gardening-Beet? Nein.

… Die Menschen auf Straße 4 waren erfüllt, sie waren fast trunken von ihrem Sekundenbruch, ihrem Innehalten, ihrer Pattstellung, ihrer Sinneserhebung, ihrem Warten Warten Warten.
Was konnte sie denn aufhalten, wenn es wieder so weit wäre, wenn sie nochmals auf die Straße treten würden? Eine Sondereinheit namens Überwachung der Sinne? Ein Ausreiseverbot in die unendlichen Weiten des Mikrokosmos, weil damit die nationalen Grenzen unterschritten würden? Der Bau einer Mauer rund um alle Objekte im Wahrnehmungsbereich des Individuums? …

Wie seine „Liegenden“, Hockenden“, „Lehnenden“ aus dem Buchtext, die das (touristische) Stadtbild durch ihre bloße Gegenwart stören, nimmt KREUZ die Rolle eines Akteurs in slow motion ein. Hier ein kurzer Ausschnitt (06:32) aus der Performance mit der eingespielten Stimme des Autors und Klängen.

Dieses Audio ist in einer etwas erweiterten Version auch am Podcast „Stadtraum – Zeit und Stille“ als Soundstrack 01 zu hören.

Das Buch

SEKUNDENBRUCH AUF STRASSE 4
Eine poetische Spekulation
Walter Kreuz

Nachwort Hermann Knoflacher
Illustrationen Lisa Kröll
ISBN 978-3-9504404-4-7

edition splitter wien, September 2018


Wo sind sie hin, die – lyrischen – Momente, in denen die Zeit stillzustehen scheint und man das Stadtbild durch intensives Dastehen und penetrantes Betrachten verstört? Ort des Geschehens ist Straße 4 einer nicht benannten Stadt, in welcher unterschiedliche Personen ihre Häuser und Arbeitsstätten frühmorgens exakt zum selben Zeitpunkt verlassen und vom sie umgebenden Wahrnehmungsraum – ihrer unmittelbaren städtischen Umgebung – ergriffen werden.

Die Leute verlieren sich in kleinen und kleinsten Dingen, nehmen sich alle Zeit (von) der Welt, um jede Einzelheit in ihrer eigentümlichen Form zu entdecken. Sie meinen, in einer Sekunde steckengeblieben zu sein. Vielleicht ist es auch die allererste Sekunde ihres Lebens, die sie unterbrechen. In diesem Zustand des Sekundenbruchs gibt die Zeit immer kleinere Einheiten von sich preis. Stille, die daraus entsteht, nimmt ekstatische Züge an. Man legt sich akkurat auf den Straßenboden, man kann sich an der Druckerschwärze der Zeitung nicht satt riechen, man fällt mit seinen Sinnen regelrecht in die Objekte des Stadtraums ein.

Die Leute empfinden den Akt der Wahrnehmung, der nicht mehr mit der Zweckmäßigkeit der Gestaltung öffentlichen Raums korrespondiert, als das eigentliche Ankommen in der Welt.

Allerdings solle am selben Morgen eine umfassende Renovierung aller baufälligen Häuser von Straße 4 in Angriff genommen werden, eine Lastwagenkolonne bewegt sich auf das Stadtviertel zu. Warum verlassen die Anrainerinnen und Anrainer nicht die Verkehrsfläche und warum verharren sie in einer Art Starre im Stehen, im Liegen? Man hatte doch vorab informiert, gewährte Recht auf Einspruch ließ in die Pläne Einsicht nehmen. Auf partizipative Stadtraumgestaltung legte man vor Baubeginn schließlich großen Wert …

Kulturwoche.at (Dezember 2018)
Was ist da los? Auf der Straße, in den Herzen und Köpfen der Menschen.
Buchkritik von Nadia Baha

Literaturhaus (Oktober 2018) mit Leseprobe:
Absolute Immanenz: Eine poetische Spekulation
Rezension von Katia Schwingshandl

Fotos (wenn nicht anders angegeben) : Evelyn Blumenau, edition splitter, gecko art

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Walter Kreuz
will / muss sprache laufen, fließen, tönen lassen
Er wurde 1958 in Wien geboren, hat 1976 ebenda maturiert und wurde nach einigen Studienjahren weiser, erwies sich nach Schauspielausbildung jedoch dramaturgisch versierter. Nach einem zweijährigen Zwischenstopp als Filmemacher ist Kreuz seit 1984 SCHAUSPIELER, KUNSTSCHAFFENDER, AUTOR und AUDIOPERFORMER.

Als Ensemblemitglied verschiedener Theatergruppen durchspielte er die 1980er Jahre – u.a. in Stücken von Frisch, Dürrenmatt (Theater Spielraum Wien) und Shakespeare (Akteurs, Theaterperspektiv). Als Outdoor-Performer baute und bewegte er ein Jahrzehnt später Riesenmarionetten und Hörobjekte durch den öffentlichen Raum.

Als Gründungsmitglied der Gruppe gecko art leitet er seit 1993 gemeinsam mit der Schauspielerin und Sängerin Evelyn Blumenau partizipative Audioprojekte mit Gastauftritten in zahlreichen europäischen Städten und steht in Leseperformances und Live-Hörspielen mit ihr gemeinsam auf der Bühne.

la_geckoart_003Apropos Bühne: Sprechbühnen betritt Kreuz mit seinen Texten seit 2008 (u.a. im Museumsquartier Wien, in Galerien, Bibliotheken oder auf der Frankfurter Buchmesse). Für Radio und Audioplattformen textet und produziert er seit 2010 Hörspiele, Audiostücke und Radiofeatures – denn: Sprache muss laufen, fließen, tönen. Ob aus dem Kreuz’schen Autorenmund, per Magnetabtastung des Tonbands oder mittels digitaler Ablesung des Audiofiles direkt von Festplatten – ja, jede Verlautung von Sprache öffnet Türen, überwindet Grenzen, lässt aufhorchen, lässt Wechselwirkungen zwischen gesprochenem Wort und gedrucktem Text wahrnehmen.

Walter Kreuz / Werklistenauszug
Was lief, was tönte, was floss? Was ist aktuell, was fließt permanent?

1985 – A Midsummer-Night’s Dream / William Shakespeare (Produktion und Schauspiel)
1988-1989 – Satyricon unter den Gassen (Solostück frei nach Titus Petronius Arbiter)
1989 – The Merry Wives of Windsor / William Shakespeare (Produktion und Schauspiel)
1993 – Freizeit-Denkzeit-Sternzeit (Ausstellungsmodul mit Audio-Objekten, Palais Palffy, Wien)
1994-1998 – Speak up-Sessions und Audioworkshops regional und international
1999-2002 – Partizipative Spracherfindungsprojekte (Wien)
2003-2005 – Partizipative Hörspiel-Brücken, u.a. mit Medienpartnern aus Nigeria
2005-2007 – Audiomodule für die Ausstellung TonAU (Sprecher, Soundmixer und Produzent)
2008 – Karlas Lauf gegen die Raumzeit (Buchpublikation, Edition Roesner)
2009 – Der Spiegelgänger (Buchpublikation und Live-Hörspiel, DAS SPRECH)
2010 – Start der Projektreihe Krenzwalter (Leseperformances)
2012 – Wie leben (Textpublikation und Leseperformance, DAS SPRECH)
2012 – So etwas wie die Wiege der Welt (Hörspiel, Text und Produktion)
2013 – Wunderbarer Schreck (Radiostück, Text und Produktion)
2013 – In the Line with Earth (Radiostück, Text und Produktion)
2014 – Wunsch. Nach Feind. Plus Bild (Radiostück, Text und Produktion)
2014 – Organion oder Das Ende des Aprils (Buchpublikation, Live-Hörspiel, DAS SPRECH)
2015 – Dies ist die Wiedergabe meines Gesichts (Radiostück, Text und Produktion)
2016 – Dinge in der Hand, die Sachen machen (Radiofeature, Text und Produktion)
2016 – ENGEL 3.0 – dreh dich um und schrei (Live-Hörspiel, Text und Produktion)
2018 – Sag’s vielen … vielen! (Live-Hörspiel, Text und Produktion)
2018 – Sekundenbruch auf Straße 4 (Buchpublikation, Edition Splitter, Wien)

Auszeichnungen (Auswahl)

2002 – Hans Czermak-Preis für das Projekt Out of Babel (gemeinsam mit Evelyn Blumenau, Wien)
2009 – National Winner of the European Podcast Award (Hamburg)
2010 – 13. Radiopreis der Erwachsenenbildung (Wien)
2011 – 14. Radiopreis der Erwachsenenbildung (Wien)
2011 – Nominierung für den Europäischen Civis-Radiopreis (Berlin)
2013 – Nominierung zum 16. Radiopreis der Erwachsenenbildung (Wien)
2014 – Nominierung zum 17. Radiopreis der Erwachsenenbildung (Wien)
2016 – Nominierung zum 19. Radiopreis der Erwachsenenbildung (Wien)
2017 – Nominierung für /// Das glühende Knopfmikro des Berliner Hörspielfestivals (Berlin)
2017 – 20. Radiopreis der Erwachsenenbildung (Sendung Berufswelten, Wien)
2017 – Nominierung zum 20. Radiopreis der Erwachsenenbildung (Sendung Diese „M“, Wien)

geckoart_label_wa02Walter Kreuz  / Textauszug aus ORGANION oder Das Ende des Aprils
(DAS SPRECH, 2014, ISBN 978-3-200-03558-4)

(…) Hintzen lacht. Er hat gut kullern, er sitzt als einziger obenauf, und zwar auf Wladimir-Wladimirs Schultern. Dieser schwimm-tritt nicht nur die Schwaden des uneigentlichen Ozeans, sondern steht bis zu den Knien im Teich. Quecksilberfarbene Schweißperlen kollern an ihm herab. Im selben Teich, einen Lachssprung entfernt, liegt Dorit-Elisabeth Kowsky mit ihrem Bett vor Anker, an dessen Bug Maja im Sitzen schlummert. Um beide Frauen kreist Kurt mit seinem Rollstuhl-Raddampfer. Sehe im Augenwinkel, wie Mobiltelefontasten gedrückt, wie Displays kleiner schwarzer Dinger angetippt werden, und vermute, dass wir in Bälde von einem Polizeiaufgebot umzingelt sein würden. Ja, es würde einiges zu erklären sein (…)

Auszüge aus Rezensionen zu Texten von Walter Kreuz

(…) Bei Walter Kreuz geht es zu wie in den wildesten Fantasy-Geschichten. Nix is fix, alles ist möglich. Zeit und Raum sind keine Konstanten, ganz im Gegenteil: unsere gewohnte Raumzeit leidet unter akuter Strukturschwäche, was auch zur Folge hat, dass nichts dagegen spricht, wenn zwei Bäume und ein mittelschweres Eisentor ein Geschehen kommentieren, das sich fern von ihnen abspielt. (…)
Sabine Dengscherz (Online-Magazin des Literaturhauses Wien)

(…) Mir scheint, dass hier ein Autor die wesentlichen Traditionen der modernen Poesie und Prosa in einer gänzlich neuen und unbefangenen Weise weiterführt, wir haben in der deutschen Sprache ohnehin wenig Hergebrachtes, angefangen von Jean Paul, DADA, Arno Schmidt, der konkreten Dichtung nach 1945, Ernst Jandl, Marc Adrian, Teile der Arbeiten der sogenannten Wiener Dichtergruppe, oder auch des Rezensenten. Ich will auch Marianne Fritz in diesem Zusammenhang erwähnen (…)
Hermann J. Hendrich (E-Journal)

(…) Sprache sei „Gedankenwiedergabe in Lauten oder anderen wahrnehmbaren Zeichen”, heißt es. Diese Erläuterung hat sich der Autor zu Herzen genommen. Denn der Text lotet auf das Erfrischendste mit Phonetik und Grafik die verschiedenen Sprachbereiche aus (…)
Sophie Reyer (Literaturzeitschrift schreibkraft)