Walter Kreuz / Info

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Rückblick: Autorenlesung, Kurzperformance und Soundwolke im Jänner 2019
LESESTATIONEN zum neuem Buch SEKUNDENBRUCH AUF STRASSE 4

Walter Kreuz las, stand, lehnte, hockte in den Wiener Buchhandlungen Stuwerbuch, Yellow Bookstore und Tiempo Nuevo. Und er spekulierte, was geschieht, wenn Leute – vielleicht zum ersten Mal im ihrem Leben – dem Behorchen, Betrachten, Beriechen, Betasten des Stadtraums freien Lauf ließen: Personen verlassen frühmorgens die Häuser, die Arbeitsstätten. Man meint, in der allerersten Lebenssekunde steckengeblieben zu sein. Menschen kehren einer „glücklichen, smarten und hippen Stadt“ vehement den Rücken.
Sie sind bereit für eine Stadt der Lebenswirklichkeiten … / Weitere Lese-Acts sind für März/April 2019 geplant.

AUDIOVISUELLE TEXTPROBEN auf VIMEO: In einer Kooperation mit dem Verein DAS SPRECH sind in diesem Clip 4 kurze Textstellen aus dem „SEKUNDENBRUCH“ zu hören – vom Autor gelesen, wobei seine poetischen Spekulationen darin um Innehalten, Wahrnehmung, Zeitlosigkeit und Stadt kreisen. Die im Buch gestalteten Illustrationen von Lisa Kröll sind zum Teil in der Audiovision zu sehen. 

 

AUDIOTEASER am Podcast Stadtraum – Zeit und Stille: Zu hören ist ein kurzer Ausschnittaus der Performance. Wie seine „Liegenden“, Hockenden“, „Lehnenden“ aus dem Buchtext, die das (touristische) Stadtbild durch ihre bloße Gegenwart stören, nimmt KREUZ die Rolle eines Akteurs in slow motion ein.

 

DAS BUCH

SEKUNDENBRUCH AUF STRASSE 4
Eine poetische Spekulation
Walter Kreuz

Nachwort Hermann Knoflacher
Illustrationen Lisa Kröll
ISBN 978-3-9504404-4-7

edition splitter wien, September 2018


STADTRAUM IST WAHRNEHMUNGSRAUM

Wo sind sie hin, die – lyrischen – Momente, in denen die Zeit stillzustehen scheint und man das Stadtbild durch intensives Dastehen und penetrantes Betrachten verstört? Ort des Geschehens ist Straße 4 einer nicht benannten Stadt, in welcher unterschiedliche Personen vom Wahrnehmungsraum – ihrer unmittelbaren städtischen Umgebung – ergriffen werden.

Die Leute verlieren sich in kleinen und kleinsten Dingen, nehmen sich alle Zeit (von) der Welt, um jede Einzelheit in ihrer eigentümlichen Form zu entdecken. Sie meinen, in einer Sekunde steckengeblieben zu sein. Vielleicht ist es auch die allererste Sekunde ihres Lebens, die sie unterbrechen. In diesem Zustand des Sekundenbruchs gibt die Zeit immer kleinere Einheiten von sich preis. Stille, die daraus entsteht, nimmt ekstatische Züge an. Man legt sich akkurat auf den Straßenboden, man kann sich an der Druckerschwärze der Zeitung nicht satt riechen, man fällt mit seinen Sinnen regelrecht in die Objekte des Stadtraums ein.

Die Leute empfinden den Akt der Wahrnehmung, der nicht mehr mit der Zweckmäßigkeit der Gestaltung öffentlichen Raums korrespondiert, als das eigentliche Ankommen in der Welt.

KURZER TEXTAUSZUG (Sekundenbruch, Seite 62): … Die Menschen auf Straße 4 waren erfüllt, sie waren fast trunken von ihrem Sekundenbruch, ihrem Innehalten, ihrer Pattstellung, ihrer Sinneserhebung, ihrem Warten Warten Warten. Was konnte sie denn aufhalten, wenn es wieder so weit wäre, wenn sie nochmals auf die Straße treten würden? Eine Sondereinheit namens Überwachung der Sinne? Ein Ausreiseverbot in die unendlichen Weiten des Mikrokosmos, weil damit die nationalen Grenzen unterschritten würden? Der Bau einer Mauer rund um alle Objekte im Wahrnehmungsbereich des Individuums? …

REZENSIONEN

Kulturwoche.at (Dezember 2018)
Nadja Baha: Was ist da los? Auf der Straße, in den Herzen und Köpfen der Menschen
Auszug: … Philosophische Gedanken zur Stadt werden in kleinen Splittern dargeboten. Da heißt es z.B.: „Stadt war Übergangszone. Stadt war Antithese zu Geborgenheit. Städte wären Unfälle der Erdgeschichte. Städte waren Kopfbahnhöfe des Anthropozäns.“ Alles wunderbare Sätze für Graffitis … 

Literaturhaus (Oktober 2018) mit Leseprobe:
Katia Schwingshandl: Absolute Immanenz: Eine poetische Spekulation
Auszug: … Walter Kreuz spielt sein Spiel der Sprache gut, er will und muss schließlich die Sprache laufen, fließen und tönen lassen. Ohne Zweifel ist er selbst auch ein Stehender, Sitzender, Schauender, Tastender und so ist auch diese in der Edition Splitter erschienene Spekulation zu lesen, zu schauen, die Stille darin beinahe zu hören …

Straßenzeitung Augustin, Magazin, Ausgabe 2/2018
Reinhold Schachner: Walter Kreuz‘ spekulativer Umgang mit Stadtraum/Tabula rasa in der «Straße 4»
Auszug: … «Es entstand unter ihnen [den Menschen auf der Straße 4] ein völlig unaufgeregtes Gespür fürs Nichtsein.» Dabei lehnt sich Walter Kreuz sehr weit aus dem Fenster hinaus auf die Straße. Und es lohnt sich allemal, das Risiko einzugehen, ihm zu folgen, denn der poetische Spekulant stürzt weder ins Esoterische noch ins Dystopische ab ...

Fotos (wenn nicht anders angegeben) : Evelyn Blumenau, edition splitter, gecko art

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Walter Kreuz
will / muss sprache laufen, fließen, tönen lassen
Er wurde 1958 in Wien geboren, hat 1976 ebenda maturiert und wurde nach einigen Studienjahren weiser, erwies sich nach Schauspielausbildung jedoch dramaturgisch versierter. Nach einem zweijährigen Zwischenstopp als Filmemacher ist Kreuz seit 1984 SCHAUSPIELER, KUNSTSCHAFFENDER, AUTOR und AUDIOPERFORMER.

Als Ensemblemitglied verschiedener Theatergruppen durchspielte er die 1980er Jahre – u.a. in Stücken von Frisch, Dürrenmatt (Theater Spielraum Wien) und Shakespeare (Akteurs, Theaterperspektiv). Als Outdoor-Performer baute und bewegte er ein Jahrzehnt später Riesenmarionetten und Hörobjekte durch den öffentlichen Raum.

Als Gründungsmitglied der Gruppe gecko art leitet er seit 1993 gemeinsam mit der Schauspielerin und Sängerin Evelyn Blumenau partizipative Audioprojekte mit Gastauftritten in zahlreichen europäischen Städten und steht in Leseperformances und Live-Hörspielen mit ihr gemeinsam auf der Bühne.

la_geckoart_003Apropos Bühne: Sprechbühnen betritt Kreuz mit seinen Texten seit 2008 (u.a. im Museumsquartier Wien, in Galerien, Bibliotheken oder auf der Frankfurter Buchmesse). Für Radio und Audioplattformen textet und produziert er seit 2010 Hörspiele, Audiostücke und Radiofeatures – denn: Sprache muss laufen, fließen, tönen. Ob aus dem Kreuz’schen Autorenmund, per Magnetabtastung des Tonbands oder mittels digitaler Ablesung des Audiofiles direkt von Festplatten – ja, jede Verlautung von Sprache öffnet Türen, überwindet Grenzen, lässt aufhorchen, lässt Wechselwirkungen zwischen gesprochenem Wort und gedrucktem Text wahrnehmen.

Walter Kreuz / Werklistenauszug
Was lief, was tönte, was floss? Was ist aktuell, was fließt permanent?

1985 – A Midsummer-Night’s Dream / William Shakespeare (Produktion und Schauspiel)
1988-1989 – Satyricon unter den Gassen (Solostück frei nach Titus Petronius Arbiter)
1989 – The Merry Wives of Windsor / William Shakespeare (Produktion und Schauspiel)
1993 – Freizeit-Denkzeit-Sternzeit (Ausstellungsmodul mit Audio-Objekten, Palais Palffy, Wien)
1994-1998 – Speak up-Sessions und Audioworkshops regional und international
1999-2002 – Partizipative Spracherfindungsprojekte (Wien)
2003-2005 – Partizipative Hörspiel-Brücken, u.a. mit Medienpartnern aus Nigeria
2005-2007 – Audiomodule für die Ausstellung TonAU (Sprecher, Soundmixer und Produzent)
2008 – Karlas Lauf gegen die Raumzeit (Buchpublikation, Edition Roesner)
2009 – Der Spiegelgänger (Buchpublikation und Live-Hörspiel, DAS SPRECH)
2010 – Start der Projektreihe Krenzwalter (Leseperformances)
2012 – Wie leben (Textpublikation und Leseperformance, DAS SPRECH)
2012 – So etwas wie die Wiege der Welt (Hörspiel, Text und Produktion)
2013 – Wunderbarer Schreck (Radiostück, Text und Produktion)
2013 – In the Line with Earth (Radiostück, Text und Produktion)
2014 – Wunsch. Nach Feind. Plus Bild (Radiostück, Text und Produktion)
2014 – Organion oder Das Ende des Aprils (Buchpublikation, Live-Hörspiel, DAS SPRECH)
2015 – Dies ist die Wiedergabe meines Gesichts (Radiostück, Text und Produktion)
2016 – Dinge in der Hand, die Sachen machen (Radiofeature, Text und Produktion)
2016 – ENGEL 3.0 – dreh dich um und schrei (Live-Hörspiel, Text und Produktion)
2018 – Sag’s vielen … vielen! (Live-Hörspiel, Text und Produktion)
2018 – Sekundenbruch auf Straße 4 (Buchpublikation, Edition Splitter, Wien)

Auszeichnungen (Auswahl)

2002 – Hans Czermak-Preis für das Projekt Out of Babel (gemeinsam mit Evelyn Blumenau, Wien)
2009 – National Winner of the European Podcast Award (Hamburg)
2010 – 13. Radiopreis der Erwachsenenbildung (Wien)
2011 – 14. Radiopreis der Erwachsenenbildung (Wien)
2011 – Nominierung für den Europäischen Civis-Radiopreis (Berlin)
2013 – Nominierung zum 16. Radiopreis der Erwachsenenbildung (Wien)
2014 – Nominierung zum 17. Radiopreis der Erwachsenenbildung (Wien)
2016 – Nominierung zum 19. Radiopreis der Erwachsenenbildung (Wien)
2017 – Nominierung für /// Das glühende Knopfmikro des Berliner Hörspielfestivals (Berlin)
2017 – 20. Radiopreis der Erwachsenenbildung (Sendung Berufswelten, Wien)
2017 – Nominierung zum 20. Radiopreis der Erwachsenenbildung (Sendung Diese „M“, Wien)

geckoart_label_wa02Walter Kreuz  / Textauszug aus ORGANION oder Das Ende des Aprils
(DAS SPRECH, 2014, ISBN 978-3-200-03558-4)

(…) Hintzen lacht. Er hat gut kullern, er sitzt als einziger obenauf, und zwar auf Wladimir-Wladimirs Schultern. Dieser schwimm-tritt nicht nur die Schwaden des uneigentlichen Ozeans, sondern steht bis zu den Knien im Teich. Quecksilberfarbene Schweißperlen kollern an ihm herab. Im selben Teich, einen Lachssprung entfernt, liegt Dorit-Elisabeth Kowsky mit ihrem Bett vor Anker, an dessen Bug Maja im Sitzen schlummert. Um beide Frauen kreist Kurt mit seinem Rollstuhl-Raddampfer. Sehe im Augenwinkel, wie Mobiltelefontasten gedrückt, wie Displays kleiner schwarzer Dinger angetippt werden, und vermute, dass wir in Bälde von einem Polizeiaufgebot umzingelt sein würden. Ja, es würde einiges zu erklären sein (…)

Auszüge aus Rezensionen zu Texten von Walter Kreuz

(…) Bei Walter Kreuz geht es zu wie in den wildesten Fantasy-Geschichten. Nix is fix, alles ist möglich. Zeit und Raum sind keine Konstanten, ganz im Gegenteil: unsere gewohnte Raumzeit leidet unter akuter Strukturschwäche, was auch zur Folge hat, dass nichts dagegen spricht, wenn zwei Bäume und ein mittelschweres Eisentor ein Geschehen kommentieren, das sich fern von ihnen abspielt. (…)
Sabine Dengscherz (Online-Magazin des Literaturhauses Wien)

(…) Mir scheint, dass hier ein Autor die wesentlichen Traditionen der modernen Poesie und Prosa in einer gänzlich neuen und unbefangenen Weise weiterführt, wir haben in der deutschen Sprache ohnehin wenig Hergebrachtes, angefangen von Jean Paul, DADA, Arno Schmidt, der konkreten Dichtung nach 1945, Ernst Jandl, Marc Adrian, Teile der Arbeiten der sogenannten Wiener Dichtergruppe, oder auch des Rezensenten. Ich will auch Marianne Fritz in diesem Zusammenhang erwähnen (…)
Hermann J. Hendrich (E-Journal)

(…) Sprache sei „Gedankenwiedergabe in Lauten oder anderen wahrnehmbaren Zeichen”, heißt es. Diese Erläuterung hat sich der Autor zu Herzen genommen. Denn der Text lotet auf das Erfrischendste mit Phonetik und Grafik die verschiedenen Sprachbereiche aus (…)
Sophie Reyer (Literaturzeitschrift schreibkraft)