Für die dritte Performance des Projekts SOPHROSYNE wird ein Satz aus dem letzten Kapitels des Buchs SEKUNDENBRUCH AUF STRASSE 4 von Walter Kreuz zum Titel. Das Buch ist 2018 bei der edition splitter wien erschienen und u.a. auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt worden.
Das Buch versteht sich als poetische Spekulation über das Innehalten und über die Formenvielfalt von schöpferischen Wartepositionen versteht, die der Leere zwischen den Dingen ihre Ungeheuerlichkeit nehmen. Der Performance-Text ist eine szenische Weiterführung dieses Buchs – quasi ein „literarisches Sequel“ im Live-Hörformat.
DI, 30.06.2026, 19.00 Uhr
SOPHROSYNE – OB DAS UNIVERSUM MIT DER MENSCHHEIT GERECHNET HATTE?
Lese-Performance mit Kunstobjekten, Spiel des Hörens und Diskussion
Depot – Kunst und Diskussion, Breite Gasse 3, 1070 Wien
Können Straßen zu Schiffen werden? Was, wenn sie als schwimmende Plattformen eines Abends unvermutet in See stechen? Wenn sie sich aus allen Verankerungen lösen, um aufzufallen und um herauszubekommen, welchen Plan, welchen Nutzen, welchen Sinn Straßen mit mehr oder minder intelligenten Lebewesen den unendlichen Weiten des Kosmos anbieten können?
Warum solche Fragen im städtischen Alltag aufgeworfen werden, ist ein gut gehütetes Geheimnis einer Straße namens ‚Straße 4‘, das aus jener Zeit stammt, in der Straße 4 bloß eine Straße war – und kein Schiff. Alles begann am Morgen des 12. Juni 2017: Leute auf Straße 4 überkam das Gefühl, immer noch in ihrer allerersten Lebenssekunde festzustecken. Dass diese Sekunde ganze neun Jahre währen würde, hielt damals niemand für möglich – und ebensowenig, dass Straßen sich zum Ende dieser Sekunde in Schiffe verwandeln.
Da man rund um den Globus noch immer nicht weiß, ob das Universum mit dem Erscheinen der Menschheit rechnet, entschließen sich die beiden ‚Straßenschiff-Reisenden‘ Lysistrate Perpezia und Chromo Z’Bill, eine außergewöhnliche Botschaft in Form eines überirdischen Kusses in Richtung Firmament zu senden.
Die beiden ahnen es bereits: Ein Ballett von Straßenschiffen auf hoher See werde die Wellen wohl bis hinauf ins Weltall schlagen lassen. Die Fassaden bröckelten bereits, Wortwörtlich hieß es einst:
„Eine Straße in der Stadt. Aufbegehren mitten im städtischen Leben, Aufstand gegen das Stadtbild, stille Rebellion gegen das Einwohnerverzeichnis, gegen erhobene Daten, gegen Geburtsdatum und Geburtsort. Widerstand von Menschen, die Stadtsekunden brachen. Und eine Straße als Ort – Straße 4 dieser Stadt, die den Bruch zu unterstützen schien.“
Zitat aus „SEKUNDENBRUCH AUF STRASSE 4“, S. 38
Lysistrate P. und Chromo Z. sind unter den ersten, die nach ihren intensiven Wahrnehmungsaktionen von Straße 4 bemerken, dass der Schein trügt und dass sich diese Straße – als Schiff – ihrer vermeintlich dringend notwendigen Erneuerung widersetzt. Es wird klar, dass Straße 4 nie in einen herausgeputzten Stadthafen der Zukunft einlaufen will.
Möglicherweise will sie die Menschen auf ihr einfach nur ziehen, schauen, hören, tänzeln und in Gedanken vertieft sein lassen – und so etwas wie ‚Intelligenz der Ruhe‘ walten lassen.
Ausführende: Evelyn Blumenau und Walter Kreuz (Künstlerduo gecko art)
Dauer der Performance: 40 Minuten (anschließend Diskussion)
Zu den anderen Performances im Rahmen von SOPHROSYNE:






