SOPHROSYNE – OB DAS UNIVERSUM MIT DER MENSCHHEIT GERECHNET HATTE

Damit sich Potenziale des Denkens entfalten können, braucht es auch Ruhe, Innehalten und Reflexion. Da Künstliche Intelligenz derzeit hoch im Kurs steht, wird ihr eine „Intelligenz der Ruhe“ gegenübergestellt (auch wenn ein flotter künstlicher Geist in vielen Bereichen sinnvoll nutzbar sein kann).

Das künstlerische Spiel des Hörens von und mit Evelyn Blumenau und Walter Kreuz kreist um den altgriechischen Begriff der SOPHROSYNE, einer ethischen Grundhaltung des Individuums zu sich selbst und zur (Mit)Welt.


DI, 30.06.2026, 19.00 Uhr

SOPHROSYNE – OB DAS UNIVERSUM MIT DER MENSCHHEIT GERECHNET HATTE?
Lese-Performance mit Kunstobjekten und Masken, Spiel des Hörens und Diskussion
Depot – Kunst und Diskussion, Breite Gasse 3, 1070 Wien / Eintritt frei

In diesem dritten Sophrosyne-Programm des Projekts werden Straßen einer Stadt zu Schiffen. Vermutlich ist ein solcher Verwandlungsprozess nur eine Frage der Zeit – der Raumzeit, wohlgemerkt. Möglicherweise ist das Universum voll von diesen Raum-Schiffen, die einst Straßen anderer Zivilisationen waren.

Der Grund für ihre kosmische Umtriebigkeit ist vielleicht stets derselbe: Hingebungsvolle Wahrnehmungs-Aktivitäten intelligenter Lebensformen machen unschuldige Gässchen und stolze Alleen wendig und schaukelig wie Ruderboote. Von der Intensität der Sinne beflügelt, dehnt und räkelt sich Zeit, als ob sie ein leichtfüßiges Tier wäre. Und sie offenbart ihre Ränder, an denen man sich gerne verliert.

Hier kommt schließlich Sophrosyne ins Spiel, und Wesen beginnen, auf Schildkröten langsam und bedächtig der Weisheit entgegenzureiten (frei nach Alexander Kluge). Andere balancieren auf einem endlosen Zeitpfeil, während sich ihre Straßen-Schiffe zu einem Ballett zusammentun. Mit diesen Vorgaben scheint es möglich, dass Gedanken unterschiedlicher Personen miteinander ins Gespräch kommen, nicht aber die Personen selbst. Man horcht, man hebt den Blick, man riecht lange in die Luft. „Seid geküsst, unendliche Weiten“, hört man aus dem Gedanken-Chor heraus.

Die Lese-Performance ist eine dramaturgische Collage aus Erzählung, Maskenspiel, Sound-Art und Kunstobjekten. Als szenische Weiterführung des Buchs ‚Sekundenbruch auf Straße 4‚ von Walter Kreuz versteht sich das Programm als „literarisches Sequel“ im Live-Hörformat. Und es kann als performative Antwort auf die titelgebende Frage verstanden werden, die im letzten Kapitel des Sekundenbruchs („DIE MITTE“) aufgeworfen wird: Ob das Universum mit der Menschheit gerechnet hatte?

Dauer der Performance: 40 Minuten (anschließend Diskussion)

Zu den anderen Performances im Rahmen des Projekts SOPHROSYNE:

ICH LEBTE IM OXYQUARIUM
DER MOMENT VOR DEM LÄCHELN