Die Suche nach einer „Intelligenz der Ruhe“ beginnt mit einer Lese-Performance in künstlerischem Rahmen. Evelyn Blumenau und Walter Kreuz laden am 21. Mai 2026 zu einem Hör-Abend der besonderen Art in die Wiener Akademie der Bildenden Künste ein. Stilistisch bewegen sich die beiden „HörspierInnen“ zwischen live vorgetragenem Audiofeature, Sprachspiel und szenisch-bildnerischen Sequenzen, in denen auch Masken eine Rolle spielen. Es ist ein Setting, das sich im Laufe von zehn Jahren entwickelt hat und in welchem Wahrnehmung und Zeitempfinden mehr und mehr in den Fokus rückten.
Immer
wieder stellt sich beim gecko art-Team die Frage, wie sich Kunst einbringen kann in eine Welt unzusammenhängender Infomationsfragmente, die mit ihren Stichworten stechen und mit ihren Schlagzeilen schlagen. Wo ansetzen, wie fortsetzen, was umsetzen? Das Projekt Sophrosyne setzt mit dem Phänomen des Moments an, setzt eine Stadt-Erzählung fort, deren offenes Ende nach einer Weiterführung geradezu lechzt und verbindet bis September 2026 unterschiedliche Umsetzungsformen. Neben den Performances wird es im Sommer „Gedankengänge durch Wien“ geben sowie Open Air-Aktionen zur partizipativen Erprobung der „Elastizität von Zeit“
DO, 21.05.2026, 18.00 Uhr
SOPHROSYNE – DER MOMENT VOR DEM LÄCHELN
Lese-Performance mit Masken-Z.E.I.T.L.U.P.E. und gecko art-Kunstobjekten
Bibliothek der Akademie der Bildenden Künste Wien, Schillerplatz 3, 1010 Wien
(Eintritt frei)
Eines Morgens treten Personen aus den Häusern. Sie halten ein, sie lächeln – ganz gegen ihre Gewohnheit – niemandem zu. Sie scheinen einem gemeinsamen Moment verpflichtet zu sein. Sie „momenten“, sie „momenten sich selbst“. Und sie werden ihren ureigensten Wahrnehmungen nachspüren und mitten in der Stadt nach „Ufern stiller Wasser“ suchen, um zu Felsen in der Brandung zu werden, bevor sie in das nächste Netz der Ängste tappen und ihnen der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Und allmählich kehrt Ruhe in sie ein, denn …
“ … sie hatten das Gefühl … immer noch in der allerersten Sekunde ihres Lebens festzustecken … sie nahmen wahr … und dabei ließen sie sich nicht aus der Ruhe bringen … zwischen, in oder hinter den Dingen bewegten sich ihre Sinne, während die Sekunde, diese ihre erste Sekunde, lief und lief … „
(Aus W.Kreuz: „SEKUNDENBRUCH AUF STRASSE 4“)
Schauend, hörend, tastend, riechend und schmeckend gibt man sich dem Magnetismus der Dinge dieser Welt hin. Selbstverständlich verändert ein verdichteter „Wahrnehmungs-Aktionismus“ das Aussehen der Wahrnehmenden – Gesicher werden zu sensorischen Masken, Bewegungen werden zu Stellungnahmen und Leitsprüchen ihrer Akte, die sie an diesem Tag vollführen werden.
Ihre Umgebung, deren Formen und Objekte beschenken sie mit Momenten intensiver Tuchfühlung. In ihrer Mimik ist weder Verbindlichkeit, noch Lachen, nicht einmal ein Lächeln zu erkennen. Denn alles um sie herum scheint neu zu sein. Man horcht, weil man den Urknall nicht noch einmal überhören will, oder man fühlt die unermessliche Weite um sich und schätzt das Volumen der Welt. Man gibt sich tänzerischen Verwirbelungen hin und überzieht die Fassaden einer Straße mit glasklaren Gedanken.
Die Formulierung „Der Moment vor dem Lächeln“ war gleichzeitig auch Titel von Teil 4 des gecko art-Audiofeatures GRAMMATIK DER STILLE – Verabredungen mit dem Wesen der Zeit (präsentiert 2023 im Theater Spielraum, Wien). Die Sophrosyne-Performance ist die Weiterführung des Buch SEKUNDENBRUCH AUF STRASSE 4 (edition splitter wien, 2018), eine poetische Spekulation über das Innehalten und über die Formenvielfalt von schöpferischen Wartepositionen, die der Leere zwischen den Dingen ihre Ungeheuerlichkeit nehmen.





