RÜCKBLICK 4: MEHRSPRACHIGKEIT, SPRACHERFINDUNG & RADIO

min_hist_proj_geckoart04gecko art-PROJEKTGESCHICHTE, Teil 4: Ab 1999
Sprache kennt keine Grenzen

Sprachen. Eigentlich lag es bereits bei der gecko art-Gründung auf der Hand, dass wir, wenn wir ins Medium Audio eintauchen, uns strukturell und konzeptionell mit Sprache und Sprachenvielfalt beschäftigen mussten. Im Eindruck des beschämenden Nationalrats-Wahlergebnisses von 1999 erarbeiteten wir in einer einzigen Nacht das Projekt OUT OF BABEL, bei dem es darum ging, bereits existierende Sprachenvermischung zur Methode zu machen und mit mehr als 1000 TeilnehmerInnen und mit über 100 Partnerorganisationen innerhalb der nächsten 3 Jahre KUNSTSPRACHEN im Rahmen von WORDSHOPS zu erfinden, die aus allen in Wien gesprochenen Sprachen zusammengesetzt sind. Auf diese Weise entstanden STARDARD-BABEL, BABELVOOX und BABELÜR. Das Projekt hatte den äußerst positiven Nebeneffekt, dass Sprachen plötzlich auf der Audiobühne standen, dass Sprachen künstlerisch reflektiert werden konnten und dass Interesse an Sprachen aus sich selbst heraus entstand. OUT OF BABEL erhielt den Hans Czermak-Preis für besondere Verdienste für eine gewaltfreie Erziehung, der uns 2002 im ORF-Radiokulturhaus überreicht wurde.

Aber auch ohne diese Auszeichnung wussten wir, dass wir am richtigen Weg waren. Dabei dachten wir weniger an die Gesellschaft als an uns selbst: Wir leben in Sprache. Und wenn Leute kommen, uns die Sprache abgraben und Sprachverbote aussprechen, verdursten wir.

Daher schoss ab 2001 ein Projekt nach dem anderen aus unserer schöpferischen Mitte: SNORRADUNJA (2001 / ‚Auf den Weg zur Donausprache’ im Rahmen des NÖ Donaufestivals mit Theaterpräsentationen in Krems), TWINSPEAKS und TWINSHIPPING (2002 / mit böhmischen, mährischen, niederösterreichischen und Wiener Sprachstationen), PARAPHRASE (2004 / mit Sprachstationen in Györ/H und in Wien), WHELP EDITORIAL CORNER (2005 / mit Sprachstationen in Kaduna, Makurdi/NGR und in Wien). Um die Wiener Vielsprachigkeit auf eine (Radio-)Bühne zu heben, entstanden Audioprojekte wie SPRACHWECHSELSTATION WIEN (2006/07), LYRICON MULTILINGUAL (2007/08), LEOPOLDSTADT VIELSPRACHIG HÖREN (2007/08), MULTILANGUAGE BOX (ab 2008), STUWER-CITY (2009), IM AUGE DER SPRACHEN (2010), HÖRPLATZ WIEN (2011), DAS JANDL-Ü (2011), DUNJA~TALKS (ab 2011), DAS SPRACHENSTUDIO (2012), HÖRFLÜGE & HORCHGEFIEDER (2012), HÖRSPIEL PARTIZIPATIV und HÖRSPIEL MULTILINGUAL (2012/13) sowie AIRPLAY/AUDIOPLAY (ab 2013).

Die Synergie von Radiosendung und Podcast hat sich auch im Rahmen der MUSEUMS-HÖRBOX im Sommerferienspiel 2013 bewährt. Mit diesem Projekt kehrten wir wieder dorthin zurück, wo wir 1993 begonnen hatten, nämlich in Museen und zu Konzepten zur Reflexion visueller Kunst mit auditiv-sprachlichen Mitteln. Junge Menschen hatten die Möglichkeit, Ausstellungsräume, Objekte und Personen von 5 Wiener Museen (Wien Museum, Leopold Museum, Museum Moderner Kunst, Jüdisches Museum und Kunsthistorisches Museum) sprechen zu lassen bzw. zu interviewen und dabei die Kriterien des Erzählens, des erlebenden Sprechens und der Beschreibung selbst zu bestimmen.